Diagonale 2010
Eine Diagonale wie sie sein soll…
Die ersten warmen Frühlingstage laden in den Kinopausen zum Verweilen in den Gastgärten ein, Mädchen und Jungs mit wehenden leichten T-Shirts und das Filmfestival liegt in der Luft. – So wurde mir die Diagonale einmal geschildert. – Letztes Jahr war davon nur ein gatschiges, grausliches und kaltes letztes Winteraufbäumen zu erleben. -Aber sei es wie es war, das Wetter konnte man im Kino schnell vergessen.

Dieses Jahr war dies zwar nicht notwendig, doch besonders leicht wäre das Vergessen von schlechtem Wetter mit den Farbpaletten von dem Film “Pepperminta” von Pipilotti Rist gefallen. Der Film ist ein farbenfrohes und anarchisches Kunstspektakel. Ein Hohenlied auf freie Liebe, Diversität und Unangepasstheit. Leider enttäuschte der Film bei der technischen Umsetzung der farbenfrohen Welt u.a. durch schwimmende Masken. Auch die Darstellung der Revolution hätte zeitgemäßer ausfallen können. – Ist in Zeiten von “Plastic Planet” wirklich so viel Lack und Plastik nötig um eine Welt bunt darzustellen? Ein Umkrempeln der Gesellschaft sollte schon auch bei den richtigen Materialen ansetzen.
Der Spielfilm mit starkem Realitätsbezug “Inside America” der Diplomfilm von Barbara Eder war berührend. Allerdings bin ich nicht sicher ob der Film auch so gut ankommt, wenn der Hintergrund dazu nicht so bekannt ist. Das die Regisseurin das Milieu der amerikanischen Kleinstadt an der Grenze zu Mexiko selbst erlebt hat und das die Schauspieler größtenteils sich selbst spielen beeindruckt. Schnell könnte man ohne diese Info den Film für eine einfache Kopie von diversen MTV-Reality Sendungen halten. Die Dramaturgie dieses Milieuspielfilms ist aber gut erarbeitet, daher kann man doch hineinsinken. Leider war die Kopie falsch umkopiert und unscharf, laut Kameramann wird aber an der Behebung dieses Problems noch gearbeitet.
Der Film “Mein Kampf” über Hitlers Zeit in Wien von Urs Odermatt nach den Theaterstück von George Tabori ist ein gelungenes Filmwerk mit nachvollziehbarer Umsetzung der Hauptfigur. Der Sprung von der Theaterbühne auf die Leinwand ist geglückt, die personifizierte Darstellung von Vergänglichkeit und dem verführten Volk lassen aber die Wurzeln der Charaktere erahnen. Der geschichtliche Dokumentationsgehalt ist vorsichtig zu betrachten. Zwar zeigt der Film in einer kurzen Zeitspanne die Vorgänge im zweiten Weltkrieg sehr genau, aber eben nur übertragen auf eine doch vorwiegend fiktive Geschichte und deren Figuren.

Eine gefühlt sehr authentische Darstellung eines Aspekts eines afrikanischen Stammes konnte der Film “Frauenkarawane” vermitteln. Der Film war beeindruckend langsam, aber dennoch nicht langweilig. Es war endlich einmal keine Doku bei der man das Gefühl hatte, Afrika wird als ein ethnologisches Museum dargestellt.
Der diesjährige Eröffnungsfilm “Der Kameramörder” von Robert-Adrian Pejo nach der Novelle von Thomas Glavinic ist ein eiskaltes Psychogramm einer Gruppe Yuppies und einer Frau die zu ihrem Opfer wird. Kammerspielartig nützt der Film vor allem die Location eines modernen Hauses am See, das durch seine Architektur, die Kälte, Unbehaglichkeit und Scheinwelt gelangweilter reicher Mittdreißiger perfekt vermittelt. Nach der Empfindung des Schauspielers Andreas Lust war auch beim Dreh die Stimmung ähnlich.
Nach einem lyrischen Clip (Paradise Later), der dem Gefühl nach nur als Teaser zu einem Dokumentarfilm ins Programm genommen wurde – und das auf mehreren Festivals, war die gelungene Doku “Einmal mehr als nur Reden” von Anna Katharina Wohlgenannt als Abschluss an der Reihe. Es handelt sich um einen Dokumentarfilm über Proteste bei denen auch 50 Österreicher in Nicaragua teilnahmen. Ein Film der zeigt, dass weltverändernde Taten durchaus möglich sind, wenn man sich wirklich einsetzen will und sich organisiert.

Im Lokal iKU konnte man schön den Tag bei einem Glas „Kalaschnikow“ ausklingen lassen. Die Nightline in der Postgarage war leider von der Qualität her eine Dorfdisco – man fühlt sich viel jünger und peinlich berührt, versucht mit zu tanzen – aber es gibt einfach Musikkombinationen die nicht hart auf hart geschnitten werden sollten.
Aber zum Tanzen geht man ja nicht auf ein Filmfestival – es waren auf jeden Fall zwei nette Tage und nächstes Jahr versuchen wir wieder Zeit frei zu schaufeln wie immer nimmt man sich mal vorsorglich die ganze Woche vor…
MaRo
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