Vom Bann des Mount St. Helens
Zu Beginn dieses Blogeintrags möchte ich allen versierten Benutzern dieser äußerst raffinierten Technik bescheinigen, dass dies mein erster Eintrag auf dieser Seite und mein erster Artikel überhaupt ist. Wie am Fließband gestaltet man da (neben der eigentlichen Arbeit) die raffiniertesten Webseiten, hat aber keine Zeit, über etwas zu schreiben, das jemanden auch interessieren könnte – es sei denn man bekommt dazu die Order.

Doch verzwickte Probleme benötigen auch geniale Lösungen – und so naheliegend das auch klingt, stellt sich nun für uns jetzt also die Frage: Was geschah eigentlich am 18. Mai 1980 um 8:32, im Bundesstaat Washington, etwa 160 Kilometer von Seattle entfernt?
Viele erinnern sich vielleicht noch an die Bilder des ungeheuer gewaltigen Ausbruchs des Mount St. Helens . Der damals 2.950 Meter hohe Berg wurde in den Monaten vor dem Ausbruch durch eindringendes Magma erschüttert. Einen Monat vor dem Ausbruch stieß das Grundwasser der Gegend auf die Lava im Innern des Berges und setzte eine gewaltige Dampfwolke frei. Während der Freisetzung bildete sich ein weitlaufendes Netz aus Rissen. Zwischen April und Mai stellten Wissenschaftler fest, dass sich die Nordflanke des Berges um fast 120 Meter ausgedehnt hatte. Das Volumen des Mount St. Helens vergrößerte sich bis zum Ausbruch täglich um 125 Mio. m³.
Die Behörden sperrten den Zutritt zu dem gefährdeten Gebiet rund um den Vulkan, sämtliche Erdstöße wurden genau aufgezeichnet und die Ausdehnung mit Laser vermessen. In der Vorschungsstation 10 Kilometer nördlich schiebt David A. Johnston die Nachtschicht und vermeldet keine Veränderungen gegenüber den vorherigen Tagen.

1,5 Stunden später schreit der bekannte Vulkanologe durch den Funk: „Vancouver, Vancouver! This is it!“. Das Magma unter dem Berg hatte dessen Gestein verflüssig und teilweise sogar schon verdampfen lassen. Der Berg konnte sich selbst nicht mehr tragen und rutschte mit über 200 km/h in den Spirit Lake ab. Das meiste Geröll fiel über 27 Kilometer weit, die Lawinen erzeugten auf dem See bis zu 180 Meter hohe Wellen, die hundertausende von Bäumen mit sich riss.

Der pyroklastische Strom breitete sich nach der Auswuchtung des Berges aus, überholte diesen jedoch. Die Hitze des Strom traf auf den Spirit Lake und löste eine Sekundärexplosion aus, die noch bis nach Kalifornien zu hören war. Der Mount St. Helens setzte die Energie von 27.000 Hiroshima-Bomben frei und warf mehr als 4 Mrd. Kubikmeter Material aus. 400 Meter fiel der Berg in sich zusammen und ist heute noch 2.549 Meter hoch. Die Asche stieg bis in Stratosphäre und umkreiste teilweise den Globus. Trotz der Sicherheitsvorkehrungen starben 57 Menschen, darunter Forscher, Reporter und Wildhüter. Fauna und Flora überlebten teilweise und regenerieren sich langsam. Heute steht das Gebiet unter Naturschutz und wird mit modernster Technik pausenlos überwacht.

29 Jahre nach dem Ausbruch fragt man sich vielleicht, wieso darüber noch berichtet wird. Es ist ein Mix seiner enormen Kraft, der ruhigen und idyllische Lage und seiner Unberechenbarkeit, welche die Faszination des Berges ausmachen. Ein schlafender Riese voller Kraft und Geheimnisse. Und so erhalte ich den Auftrag an den visuellen Effekte für eine Dokumentation über den Vulkan mitzuwirken, ich beginne über den Berg zu recherchieren und falle irgendwann in seinen Bann…
- Vali