Ars Electronica – Tabakfabrik 2010 – Popularität „Repaired“
Die Ars Electronica hat dieses Jahr den Schritt aus ihren gewohnten Veranstaltungsorten in das sich anbietende riesige Areal der aufgelassenen Tabakfabrik gewagt. –Leider erst ein Jahr nachdem das Festival ein wirkliches Highlight gut brauchen hätte können. Nach Linz 09 gibt es scheinbar mehr Kulturgebäude als es im Kulturhauptstadtjahr gegeben hat. Das Musiktheater wird irgendwann mal fertig und die Tabakfabrik dient als Kulturareal das um Ecken größer ist als das Museumsquartier in Wien.
Nach der Besichtigung kann ich auf jeden Fall eines ganz gewiss sagen – Platz finden hier alle Installationen und Veranstaltungen. Bis auf den muffigen „Zigarettenduft“ der mit ekligen Raumparfumteilen verschlechtert wird, sind die Hallen ein beeindruckender Veranstaltungsort und passen natürlich auch gut zum diesjährigen Thema „Repair“.
Von den Installationen war leider noch nicht so viel zu sehen – aber die Ausstellung war ja auch noch nicht eröffnet! Das Kabinenfeeling bei den Animationsfilmscreenings ist gewöhnungsbedürftig, aber so kann man zwischen den Filmloops auch mal wieder aufstehen. Was man auch muss, weil es in den Räumchen schnell heiß und duftig wird, wenn zu viele Leute drinnen sind.
Aber die Weite der Räume danach entschädigt dann wieder und Bewegung macht man genug, wenn die ganze Veranstaltung durchgeschaut werden soll. Die Gemäuer bieten viele Möglichkeiten interessante Fabrikfotos zu machen und besonders charmant sind auch die Arbeiter WCs – unisex – mit Dusche gegenüber. Eines ist klar – es gibt viel zu sehen heuer auf der Ars Electronica – und die Installationen haben endlich mal alle wirklich mehr als ausreichend Platz, sogar ein Fm4 Studio wird extra eingerichtet – wie wir auf der Heimfahrt hören konnten (obwohl sich ein Ü-Wagen sicher auch am Parkplatz ausgegangen wäre). Spannend bleibt (für nicht eingeweihte wie mich) was nach der diesjährigen Ars Electronica mit dem Gebäude geschieht. Pläne von Wohnungen, Ateliers, Ausstellungsräumen, Veranstaltungsräumen, universitären Räumen und dergleichen wurden ja schon mehrfach angekündigt.


Zwei Impressionen Einst und Jetzt by Ars Electronica
Räume im Loft-Chic und zusätzlich die gewohnte Qualität der Ars Electronica Installationen, Exponate und Veranstaltungen lohnen einen Besuch in Linz dieses Jahr mehr den je.
Hier sind einige Exponate schon mal vorab erklärt: http://www.aec.at/prix_history_de.php?year=2010 – war für mich lustig, weil ich beim Durchgehen am Dienstag eine Rätseltour machen konnte – was wird hier wohl aufgebaut?
Die Ars Seite – eh klar: http://www.ars-electronica.at
MaRo
Freiluftlichtspielkultur
Nachdem ich mich in Wien eingelebt habe und jetzt schön langsam auch alle Kultur- und Lokalinformationen in unserem Postkasten landen, bin ich überrascht von der Vielfalt an Freiluftkino Veranstaltungen. Besonders schön ist der Community-Charakter bei Screenings die gratis sind. So hat das “Science Fiction im Park” das noch morgen läuft, absolut Festivalcharakter. Auch das Thema, das scheinbar jedes Jahr mit Science Fiction zu tun hat, bekommt zusätzliche Sympathiepunkte.

Gespannt bin ich im Fortschreiten des Sommers dann auch auf das “Kino unter Sternen” das ja im Radio immer schön promotet wird und dieses Jahr das Thema “Wien im Film” hat. Sehr wichtig meiner Meinung nach. Schön langsam tut sich wieder was bei Location Austria. Jahrelang wurde ja verabsäumt unsere schönen Locations international zu bewerben und es den Filmemachern einfach zu machen, diese zu nützen. Erst neulich habe ich dazu erst wieder eine “lustige” Anekdote aus der Vergangenheit gehört… (Auf da Ringstraßn am Samstag drehn? Na des geht ned! – Und so weiter und so fort.)
Aber naja, “Vergangen ist Vergangen und Zukunft ewig fern, in der Gegenwart gefangen, spüren wir jeden Aufwind gern.”
Was steht noch an im Kinosommer? Vom Volx/Wanderkino möcht ich auch einige Filme besuchen. Am Dach von der Wiener Hauptbibliothek haben wir schon eine Veranstaltung von “Kino am Dach” besucht. Dabei ist leider nur das Loch in der Mitte des Zuschauerraums, wo eigentlich die besten Plätze sind, äußerst schade. Auch das “Kino wie noch nie“ am Augartenspitz scheint interessant zu sein. Gibt es da noch immer eine Wohnung um 0.- Miete mit 2000 qm? Ein nettes Inserat auf JobWohnen. Auch ein “Kino im Schloss” soll es heuer, im Schloss Neugebäude geben. Weiters gibt es auf Sommerkino.at noch “espressokino” und “Kino am Spittelberg” ausgeschrieben.
Außerdem ist es eine liebgewordene Tradition wenigstens einmal der St. Pöltner Freiluftkinoszene einen Besuch abzustatten. Mal schaun ob es sich auch dieses Jahr ausgeht, da ich nicht mehr von Linz sondern von Wien anreise. “Film am Dom“ und Filmfestival am Rathausplatz St. Pölten, die exakte Miniatur Ausgabe vom Filmfestival am Rathausplatz in Wien, locken jedenfalls aufs Land.
Und der größte Spannungsfaktor bleibt allgemein: Ob das Wetter heute wieder hält!
MaRo
Nachtrag: Chaos in St. Pölten
Leider ist es ja heuer kurzfristig doch nichts mit “Film am Dom” in St. Pölten geworden. Ich habe nur Gerüchte von (sehr kurzfristig beschlossenen!!!) Sparmaßnahmen gehört. Und auch das Filmfestival am Rathausplatz hat noch schnell einen neuen Namen und Veranstalter bekommen. Aber eigentlich bleibt eh wieder fast alles gleich. – Und nächstes Jahr soll es “Film am Dom” auch wieder geben…
MaRo
“Mount St. Helens – Der Vulkan lebt” in ORF2
Heute, am 18. Mai 2010, genau zum 30. Jahrestag des Ausbruchs des Vulkans Mount Saint Helens zeigt der ORF 2 um 20:15 eine Dokumentation über die Explosion und der anschließenden Rückeroberung der Natur. ORF-InfoLink
Das Team von INDUSTRIAL MOTION ART durfte hierbei wieder die vfx Szenen umsetzen, das neben aufwenigen Compositings, Satviews jede menge Rauch und Fluid Szenen beinhaltet. Leicht abgewandlete Versionen kann man bereits in unserem Demoreel sehen: INDUSTRIAL MOTION ART Reel
Team:
Valentin Schwind: Fluids, Modelling, Compositing
Martina Fröschl: Compositing, Painting
Holger Tesch: Painting, Modelling
Reinhold Fragner: Fluids, Compositing, Kamera Animation
INDUSTRIAL MOTION ART wünscht euch gute Unterhaltung
Viennafair und der offizielle Startschuss für “Projekt: Babylon”
Am Mittwoch 5.5. 2010 hatte ich die Möglichkeit am Pressetag die VIENNAFAIR 2010, Internationale Messe für zeitgenössische Kunst mit Fokus Zentral- und Osteuropa, besuchen zu können. Nachdem man von einem schrecklich dominanten Vöslauerstand am Eingang begrüßt wurde musste man sich erst wieder erinnern – nein das ist eigentlich keine seltsame Wellnessmesse. Umweltverschmutzende Plastikflaschen gabs zum Schweinefüttern geschenkt. Ein gutes 2D-Animationsfilmchen dazu: The Story of Bottled Water:
Im Rahmen einer Ausstellung – die auf Grund ihrer künstlerischen Bandbreite für Leute, die sie ernst nehmen, sehr anstrengend werden kann, haben diese Dinger eventuell noch ein wenig Berechtigung – aber was sollte dieser riesige Stand? Sponsoring sei Dank!
Sonst gab es EXTREM viele Eindrücke. Ich zehre womöglich indirekt noch Wochen von dieser breiten Auswahl an Inspirationen. Ich möchte hier eigentlich keine Werke oder Künstler hervorheben. Was eindeutig zu sehen war, sind die vielen Experimente mit Materialien. Wenige Bilder die klassische Öl/Acryl-auf-Leinwand-Bilder waren. Auch Videokunst war wieder ein Thema. Leider gibt es noch immer Videokünstler, die denken, weil es Kunst ist, muss es nicht technisch befriedigend umgesetzt sein. Da möchte man auch am liebsten den Kopf in den Golfball stecken, wie bei dieser Installation.

(Ich kenne da ein Studio, das zufällig auch diesen Blog führt, das könnte da ohne Einbussen der kreativen Freiheit, sehr gut weiterhelfen) Aber es gab auch ein positives Beispiel – eine sehr cineastisch aufbereitete Installation in der Ratten ein Haus aus Essen auffressen. Auch die zwei Performance Kunst Aktionen die wir sehen konnten waren interessant. Am Ende hatte ich jedenfalls den Kopf übervoll und eine Tasche voller Hausaufgaben: Flyer, Zeitschriften, Zeitungen und Karten zum Nachlesen und für neue Ideen.
Inspiriert von der “Viennafair-Air” *g* habe ich nun endlich den Mut gefunden, das “Projekt: Babylon” in den Räumlichkeiten von Industrial Motion Art offiziell zu eröffnen. Es handelt sich um die Auseinandersetzung mit der Nutzbegrünung von Büroräumlichkeiten. Vor allem aber, und daher kommt auch der Name, von der Loggia die direkt von den Arbeitsplätzen weg geht und über der Wienzeile hängt. Diese Loggia wird und wurde mit einer reichen Artenvielfalt bestückt. Auch das Reinsaat Paket des Verbandes Freiland, das es dieses Jahr gratis für Wienerinnen gibt, nimmt an diesem Projekt teil. Und natürlich jede Menge andere Arten, mit Fokus auf die Nutzbarkeit der Pflanzen und die Entspannung für die Augen der Mitarbeiter. In einem Büchlein werden die wichtigsten Erkenntnisse gesammelt, jedes grüne Blättchen ist ein Erfolg, jede Blüte eine Errungenschaft. Das Grün soll immer mehr werden und auf aktuelle Trends wie Bio, Guerilla Gardening, Grow your own food, Wildgemüse und die Steigerung der Lebensqualität durch Grünpflanzen aufmerksam machen. Der Kontrast von Natur und Gebäude ist dabei ein wichtiges Thema. Besucher des Studios können diesen hängenden Garten ab sofort besichtigen.
Bilder zum Projekt: Babylon unter:
Diagonale 2010
Eine Diagonale wie sie sein soll…
Die ersten warmen Frühlingstage laden in den Kinopausen zum Verweilen in den Gastgärten ein, Mädchen und Jungs mit wehenden leichten T-Shirts und das Filmfestival liegt in der Luft. – So wurde mir die Diagonale einmal geschildert. – Letztes Jahr war davon nur ein gatschiges, grausliches und kaltes letztes Winteraufbäumen zu erleben. -Aber sei es wie es war, das Wetter konnte man im Kino schnell vergessen.

Dieses Jahr war dies zwar nicht notwendig, doch besonders leicht wäre das Vergessen von schlechtem Wetter mit den Farbpaletten von dem Film “Pepperminta” von Pipilotti Rist gefallen. Der Film ist ein farbenfrohes und anarchisches Kunstspektakel. Ein Hohenlied auf freie Liebe, Diversität und Unangepasstheit. Leider enttäuschte der Film bei der technischen Umsetzung der farbenfrohen Welt u.a. durch schwimmende Masken. Auch die Darstellung der Revolution hätte zeitgemäßer ausfallen können. – Ist in Zeiten von “Plastic Planet” wirklich so viel Lack und Plastik nötig um eine Welt bunt darzustellen? Ein Umkrempeln der Gesellschaft sollte schon auch bei den richtigen Materialen ansetzen.
Der Spielfilm mit starkem Realitätsbezug “Inside America” der Diplomfilm von Barbara Eder war berührend. Allerdings bin ich nicht sicher ob der Film auch so gut ankommt, wenn der Hintergrund dazu nicht so bekannt ist. Das die Regisseurin das Milieu der amerikanischen Kleinstadt an der Grenze zu Mexiko selbst erlebt hat und das die Schauspieler größtenteils sich selbst spielen beeindruckt. Schnell könnte man ohne diese Info den Film für eine einfache Kopie von diversen MTV-Reality Sendungen halten. Die Dramaturgie dieses Milieuspielfilms ist aber gut erarbeitet, daher kann man doch hineinsinken. Leider war die Kopie falsch umkopiert und unscharf, laut Kameramann wird aber an der Behebung dieses Problems noch gearbeitet.
Der Film “Mein Kampf” über Hitlers Zeit in Wien von Urs Odermatt nach den Theaterstück von George Tabori ist ein gelungenes Filmwerk mit nachvollziehbarer Umsetzung der Hauptfigur. Der Sprung von der Theaterbühne auf die Leinwand ist geglückt, die personifizierte Darstellung von Vergänglichkeit und dem verführten Volk lassen aber die Wurzeln der Charaktere erahnen. Der geschichtliche Dokumentationsgehalt ist vorsichtig zu betrachten. Zwar zeigt der Film in einer kurzen Zeitspanne die Vorgänge im zweiten Weltkrieg sehr genau, aber eben nur übertragen auf eine doch vorwiegend fiktive Geschichte und deren Figuren.

Eine gefühlt sehr authentische Darstellung eines Aspekts eines afrikanischen Stammes konnte der Film “Frauenkarawane” vermitteln. Der Film war beeindruckend langsam, aber dennoch nicht langweilig. Es war endlich einmal keine Doku bei der man das Gefühl hatte, Afrika wird als ein ethnologisches Museum dargestellt.
Der diesjährige Eröffnungsfilm “Der Kameramörder” von Robert-Adrian Pejo nach der Novelle von Thomas Glavinic ist ein eiskaltes Psychogramm einer Gruppe Yuppies und einer Frau die zu ihrem Opfer wird. Kammerspielartig nützt der Film vor allem die Location eines modernen Hauses am See, das durch seine Architektur, die Kälte, Unbehaglichkeit und Scheinwelt gelangweilter reicher Mittdreißiger perfekt vermittelt. Nach der Empfindung des Schauspielers Andreas Lust war auch beim Dreh die Stimmung ähnlich.
Nach einem lyrischen Clip (Paradise Later), der dem Gefühl nach nur als Teaser zu einem Dokumentarfilm ins Programm genommen wurde – und das auf mehreren Festivals, war die gelungene Doku “Einmal mehr als nur Reden” von Anna Katharina Wohlgenannt als Abschluss an der Reihe. Es handelt sich um einen Dokumentarfilm über Proteste bei denen auch 50 Österreicher in Nicaragua teilnahmen. Ein Film der zeigt, dass weltverändernde Taten durchaus möglich sind, wenn man sich wirklich einsetzen will und sich organisiert.

Im Lokal iKU konnte man schön den Tag bei einem Glas „Kalaschnikow“ ausklingen lassen. Die Nightline in der Postgarage war leider von der Qualität her eine Dorfdisco – man fühlt sich viel jünger und peinlich berührt, versucht mit zu tanzen – aber es gibt einfach Musikkombinationen die nicht hart auf hart geschnitten werden sollten.
Aber zum Tanzen geht man ja nicht auf ein Filmfestival – es waren auf jeden Fall zwei nette Tage und nächstes Jahr versuchen wir wieder Zeit frei zu schaufeln wie immer nimmt man sich mal vorsorglich die ganze Woche vor…
MaRo
