In den letzten Tagen ist „Biber Berti“, ein Projekt an dem wir entscheidend mitgearbeitet haben, in das Zentrum einer politischen und medialen Debatte gerückt. Wir als Animationsstudio Industrial Motion Art, verfolgen diese Diskussion mit großem Interesse. Wenn ein Maskottchen solche Wellen schlägt, zeigt das vor allem eines: Die Kraft des visuellen Storytellings und die Relevanz der Themen, die wir mit unseren Mitteln aufbereiten. Doch jenseits der Schlagzeilen lohnt sich ein Blick auf die fachlichen Hintergründe, die unsere Arbeit an diesem Projekt von Anfang an begleitet haben.

Design mit Substanz: Zwischen Nutzen und Konflikt
In der aktuellen Diskussion wird oft unterstellt, ein kinderfreundliches Maskottchen würde die Realität verharmlosen. Wir sehen das anders. Animation ist ein Werkzeug der Wissensvermittlung. Wir sind uns durchaus bewusst, dass der Biber in unserer modernen Kulturlandschaft nicht nur für Begeisterung sorgt. Wo Biberdämme forstwirtschaftliche Flächen unter Wasser setzen oder Grabungen die Stabilität von Infrastruktur gefährden, entstehen reale Konflikte. Diese Herausforderungen für Landwirte und Gemeinden sind unumstritten und erfordern ein professionelles Management vor Ort.

Ein Maskottchen wie Berti hat jedoch eine andere Aufgabe: Es soll die grundlegenden ökologischen Funktionen eines Tieres vermitteln, das als „Ökosystem-Ingenieur“ eine Schlüsselrolle in unserer Natur einnimmt. Wissenschaftliche Erkenntnisse, unter anderem von der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), belegen eindrucksvoll, dass die Anwesenheit von Bibern die Biodiversität massiv steigert und die Resilienz unserer Landschaft gegenüber Extremwetterereignissen erhöht.
Der Biber als Verbündeter im Klimawandel
Besonders aktuell zeigt sich der Nutzen dieser Tiere in Hinblick auf die gegenwärtige Wetterlage. Während wir in den alpinen Regionen mit einer massiven Lawinensituation konfrontiert sind, bereitet uns die anschließende Schneeschmelze oft Sorgen um die Pegelstände flussabwärts. Hier leisten Biber-Reviere einen unschätzbaren Dienst: Ihre Dämme fungieren als kaskadenartige Rückhaltebecken. Sie erhöhen die sogenannte Retentionszeit des Wassers in der Landschaft. Das bedeutet, dass Schmelzwasser-Spitzen abgefangen und verzögert abgegeben werden, was das Risiko von Sturzfluten und Hochwasser in den tieferen Lagen signifikant senken kann.

Unsere Verantwortung als Studio
Für uns bei Industrial Motion Art bedeutet die Arbeit an „Biber Berti“ mehr als nur das Erstellen von ansprechenden Charakteren. Es geht darum, komplexe Zusammenhänge – wie den Schutz vor den Folgen von Lawinenabgängen durch natürliches Wassermanagement – so zu übersetzen, dass sie verstanden werden. Ein Maskottchen ist kein wissenschaftliches Paper, aber es ist der Türöffner für ein tieferes Verständnis unserer Umwelt.
Wir stehen voll und ganz hinter dem Projekt Biber Berti. Wir glauben, dass eine moderne Gesellschaft in der Lage sein muss, sowohl die punktuellen Schwierigkeiten, die ein Wildtier verursacht, anzuerkennen, als auch dessen globalen Nutzen für unser aller Sicherheit und Artenvielfalt zu feiern. Bildung ist der erste Schritt zu einem sachlichen Miteinander – und wir freuen uns, hierzu einen visuellen Beitrag leisten zu dürfen.



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